Bewerten, Beurteilen

Das Bewerten und Beurteilen ist uns Menschen ein Bedürfnis. Alles, was wir erleben, alles, was wir sehen, müssen wir einstufen in Kategorien.

Soweit Bewertung und Beurteilung uns selbst betrifft, mag sie sinnvoll und gerechtfertigt sein, wenn sie ehrlich ist, weil sie hilft, uns zu erkennen und das abzubauen, was wir als nachteilig oder als Fehler in uns sehen.

Aber sobald wir beginnen, über andere Menschen oder auch Tiere und Pflanzen zu urteilen, und zwar in bewertender, also Noten verteilender Form, handeln wir überheblich und besserwisserisch. Dies trifft ganz besonders dann zu, wenn wir über andere in negativer Weise denken und reden.

Warum bewerten und beurteilen wir eigentlich andere?

- Liegt es daran, daß wir es gut meinen und anderen helfen möchten,

- ist es reine Besserwisserei,

- ist es unser Ego, das einfach nicht akzeptiert, daß es auch andere Menschen mit      guten Eigenschaften gibt,

- weil wir uns für besonders klug und liebenswert halten,

- oder ganz einfach deshalb, weil wir es nicht ertragen können, daß über andere nur  Gutes geredet wird, - weil wir jemanden in der Meinung anderer herabsetzen möchten,

- weil wir stolz sind und nur unsere Meinung und nichts anderes anerkennen?

Ich glaube, der Hauptgrund für eine Beurteilung und Bewertung ist wohl ein zu starkes Ego, Fanatismus, Stolz, ein Von-sich-selbst-Ablenken, mangelnde Selbsterkenntnis und der Wunsch, besser und fortgeschrittener zu erscheinen als andere. Aber auch der Wunsch, andere Menschen und auch andere Dinge nach Klassen einzuteilen und durch entsprechend starke, bzw. geringe Zuneigung und Zuwendung zu belohnen oder zu bestrafen, ist in uns Menschen stark ausgeprägt.

Lob oder Beifall haben alle Menschen gerne, soweit es sie selbst betrifft. Wird das Lob jedoch anderen gegenüber ausgesprochen, kann es schon zu Neidgefühlen kommen.

An einem kleinen Beispiel möchte ich Ihnen zeigen, was ich meine:

Wenn Sie mit einigen Menschen zusammensitzen, und ein Gespräch wird über jemanden geführt, den alle kennen, der aber in der Runde nicht anwesend ist, dann können Sie folgendes beobachten.

Nimmt das Gespräch einen Verlauf, in dem bewertend, beurteilend, in wenig positiver Weise über den Abwesenden gesprochen wird, ist es oft sehr ergiebig und ausdauernd, jeder weiß etwas dazuzugeben, was ihm an dem Abwesenden nicht gefällt.

Verläuft aber das Gespräch so, daß man beginnt, in positiv bewertender Weise über einen Abwesenden zu sprechen, werden Sie feststellen, wie wenig jeder dazu zu sagen hat und wie schnell ein anderes Thema angesprochen wird. Das Interesse, andere positiv zu bewerten, scheint in den Menschen nicht sehr ausgeprägt zu sein. Probieren Sie es einmal in einer Gesprächsrunde aus, und Sie werden es zu 90 % in der Art erleben, wie ich es Ihnen eben geschildert habe.

Die geistige Welt sagt; der Grund Eurer ständigen Bewertung liegt darin, daß jeder besser sein will, mehr Wissen haben will, fortgeschrittener sein will als der andere, und das wird gezeigt, indem man sich selbst hoch bewertet und als Richter über andere aufspielt. Wir hier wissen doch alle, daß Gott in jedem von uns ist, das heißt, daß wir durch die göttliche Energie miteinander verbunden, also eins sind.

Dann müssen wir doch auch erkennen, daß der göttliche Plan erst erfüllt ist, wenn alle Menschen den Weg zu Gott gegangen sind. Da alle miteinander durch das göttliche Band verbunden sind, ist es unsere Aufgabe, jedem zu helfen, den Weg zu finden, ihn zu stützen, ihn aufzurichten und nicht über ihn zu richten. Richten tut sich jeder selbst

aufgrund seiner Lebensweise. Haben wir aber auch schon einmal darüber nachgedacht, daß wir uns in dem anderen spiegeln?

Ich will damit sagen: Alles, was wir an anderen noch auszusetzen haben, zu beurteilen haben, tragen wir noch in uns selbst. Denn es können uns an den anderen ja nur Dinge auffallen, die wir noch kennen, die wir selbst noch nicht bewältigt haben. So gesehen ist eigentlich der andere unser Spiegel, der uns zeigt, was wir selbst noch zu

lernen haben. Wenn wir in unserem Nächsten nicht mehr die Fehler und Unzulänglichkeiten suchen, sondern nur noch den Funken Gottes in ihm sehen, dann haben wir den größten Teil des Weges zu Gott hinter uns gebracht. Lassen wir jeden Menschen, wie er ist, akzeptieren wir seine Meinung und helfen wir, wenn Hilfe erforderlich und erwünscht ist. Lassen wir die Unterschiede, behandeln wir alle Men-

schen gleich, Gott macht auch keine Unterschiede, und richten wir uns nicht nach dem Motto, da ist etwas zu ernten und da nicht.

Wir sollten erkennen, daß es ganz wichtig ist, daß wir unser Ego bestimmen und nicht unser Ego uns bestimmt. Wir müssen unser großes Ich etwas zurücknehmen, unseren Stolz lassen, Stolz und Liebe können niemals gemeinsam auf einer Stufe stehen.

Wir sollten auch lernen, mehr über unsere Gefühle zu reden und nicht so viele unausgesprochene Worte mit uns herumtragen. Es verhärten sich sonst die menschlichen Verbindungen. Sagen wir doch in Liebe die Worte, die wir jemand sagen möchten und halten wir sie nicht zurück, weil wir Angst haben, daß wir uns etwas vergeben, unser Stolz verletzt wird, die anderen über uns lächeln und uns als Schwächling betrachten!

Tun wir den ersten Schritt und denken wir immer daran: "Vergeben ist Stärke und Liebe." "Nicht vergeben ist Schwäche und Stillstand."

 

 

 

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Wilhelm Horn (Inhaber dieser Seite) ist am 26.10.2013 nach langer und schwerer Krankheit verstorben.