Der liebe Gott und die Gedanken 

  

 

Ich heiße Adina und bin 7 Jahre alt, mein Bruder heißt Daniel und ist 9 Jahre alt.

In den Schulferien besuchen wir unseren Großvater und unsere Großmutter auf dem Lande. Wir verbringen dort einen Teil unserer Schulferien und freuen uns, so mitten in der Natur leben zu können, Tiere zu beobachten, durch blühende Wiesen zu streifen, uns vor Freude im Gras zu rollen und auch einmal faul in der Sonne zu liegen.

Ihr müsst nämlich wissen, unsere Großeltern wohnen in einem kleinen Häuschen, etwas abseits vom Dorf, in ei­nem wunderschönen Tal.

Das Häuschen ist umgeben von blühenden Sträuchern und Blumen, und eine Ruhe und Stille ist dort, so richtig zum Ausspannen und Erholen.

Auch in diesem Jahr haben wir wieder einen Teil unserer Schulferien bei unseren Großeltern verbracht, wir sind viel gewandert, haben oft in einem großen, klaren Kiessee gebadet und haben wieder viel miteinander erlebt.

An ein Erlebnis, besser gesagt an eine Geschichte, die mir mein Großvater erzählt hat, erinnere ich mich besonders gerne, sie geht mir noch immer im Kopf herum, und die möchte ich Euch jetzt erzählen.

An einem schönen, warmen Sommerabend saßen mein Bruder Daniel und ich mit meinen Großeltern auf der Terrasse vor dem Haus und schauten, wie die Sonne lang­sam hinter den Hügeln versank. Wir waren auch froh,dass nach der drückenden Hitze, die den ganzen Tag an­hielt nun langsam die Luft abkühlte, was wir auch als sehr belebend, und erfrischend empfanden.

Unser Großvater hatte schon eine ganze Weile in der Zei­tung gelesen, als er sich jetzt räusperte, die Zeitung zu­sammen faltete und zu uns sagte:

"Kinder, ich habe heute wieder so viele schlechte Nach­richten in der Zeitung gelesen von Not, Leid und Krieg, dass ich am liebsten die Zeitung abbestellen möchte, ihr Inhalt macht mich oft sehr traurig".

Ich sagte: "Großvater, warum sind denn die Menschen so böse miteinander und tun sich immer gegenseitig weh"?

Großvater schaute mich einen Weile an, so als müsste er angestrengt nachdenken und sagte dann zu mir: "Adina und Daniel, ich möchte Euch dazu eine Geschichte erzäh­len, und wenn Ihr gut aufpasst, könnt auch ihr mithelfen, dass die Kriege, die Not und das Leid eine Ende finden.

Ihr wisst doch, daß es einen lieben Gott gibt, der uns ge­schaffen hat und von dem wir alle abstammen.

Nun, wenn ein Kind geboren wird, erhält es vom lieben Gott ein schneeweißes Gewand als Geschenk. Dieses Ge­wand tragen wir alle immer bei uns, bis wir alt sind und dann, wenn wir sterben, also wieder zurückgehen zum lieben Gott wird er es betrachten und schauen wie wir es gepflegt haben.

Ich sagte zu meinem Großvater: "Wir können es ja wa­schen, wenn wir es dem lieben Gott zurück bringen, dann ist es sauber, und er freut sich".

Mein Großvater streichelte mir über das Haar und sagte: "So einfach ist das nicht, mein Kind. Dieses Gewand ist so zart und fein, dass wir es selbst gar nicht sehen können, wir können es manchmal aber fühlen.

Wenn Du zum Beispiel jemandem absichtlich wehtust oder schlecht von ihm sprichst, dann hast Du doch kein gutes Gefühl in Dir, das ist das Fühlen, dass Dein Ge­wand schmutzig wird. Genau so ist es, wenn Du hilfs­bereit bist, wenn Du Freude bereitest, dann hast Du ein schönes gutes Gefühl in Dir, das ist das Fühlen, dass Dein Gewand hell wird, hell bleibt.

Ihr wisst doch, Kinder, dass es gute Menschen gibt, und dass es Menschen gibt die nicht so gut sind.

Ich unterbrach meinen Großvater und sagte: "Was macht aber die Menschen schlecht oder gut"? Das sind die Gedan­ken mein Kind", sagte der Großvater und fuhr weiter fort:

"Wenn ein Mensch zornig, geizig, neidisch, gehässig, un­zufrieden ist, dann erzeugt er schlechte Gedanken, er ist­ dann kein so guter Mensch. Wenn ein Mensch liebevoll, verständnisvoll, gütig, hilfsbereit ist, dann erzeugt er gute Gedanken, er ist ein guter Mensch".

"Aber Großvater", sagte ich, ist es nicht schwer zu unter­scheiden, was ein guter und was ein schlechter Gedanke ist"?

Großvater schüttelte den Kopf und sagte: "Es ist nicht schwer, mein Kind, dies zu unterscheiden. Höre auf die Stimme in Dir, auf Dein Gewissen und frage Dich, ob Du das, was du dem anderen wünschst, auch für Dich wünschen würdest. Wenn du ja sagen kannst, ist es ein guter Gedanke, wenn du aber nein sagen musst, ist es ein schlechter Gedanke".

"Großvater, wie weiß denn der liebe Gott, wann ich schlecht und wann ich gut gedacht habe, schreibt das je­mand für ihn auf, vielleicht der Schutzengel"?

"Nein", sagte Großvater" Das hat der liebe Gott viel ein­facher geregelt. Immer wenn ein Mensch einen guten Ge­danken hat, schwebt aus seinem Kopf eine kleine weiße Wolke und wenn es ein schlechter Gedanke war, schwebt eine dunkle Wolke aus seinem Kopf".

"Das ist ja ganz einfach Großvater", sagte ich, "Aber sage mir, was passiert nun mit diesen Wolken"?

"Das ist auch ganz einfach, mein Kind", sagte der Groß­vater, "Die dunklen Wolken ziehen weitere dunkle Wolken an, und es entstehen riesige Wolkenberge dunkler Gedan­ken. Und wenn die Wolkenberge eine gewisse Größe er­reicht haben, also wenn genug schlechte Gedanken gedacht wurden, dann wird Schlechtes ausgelöst. Und so wie bei vielen dunklen Wolken ein Gewitter entstehen kann, so wird bei diesen schlechten Gedankenwolken Krieg, Un­frieden, Not und Leid entstehen".

"Dann sammeln sich sicher auch die hellen Wolken zu großen Wolkenbergen, und wenn sie groß genug sind, wird etwas Gutes ausgelöst", sagte ich zum Großvater.

"Genau so ist es, sagte Großvater" Dann wird Frieden, Freude und Glück ausgelöst.

Und seht ihr, wenn Ihr mithelft, dass die hellen Wolken in der Überzahl sind,

dann helft ihr mit, dass Frieden auf der Erde sein wird.

Ihr habt mich vorhin gefragt, wie der liebe Gott feststellen kann, wann und wie oft wir schlecht oder gut gedacht haben, "sagte mein Großvater". Nun, das ist auch ganz einfach. Ihr erinnert Euch an das helle Gewand, das euch der liebe Gott mitgegeben hat. Jedes Mal, wenn eine dunkle Gedankenwolke von eurem Kopf hochsteigt, entsteht gleichzeitig auf diesem Gewand ein schwarzer Stern, und wenn eine helle Gedankenwolke hochsteigt, ein goldener Stern".

Ich sagte: "Großvater, dann kann ja der liebe Gott ganz genau sehen wie viel schlechte und wie viel gute Gedanken wir gedacht haben"!

"Ja, so ist es, meine Kinder", sagte der Großvater, wenn euer Leben beendet ist und ihr zurück geht zum lieben Gott, dann sind auf diesem Gewand alle schlechten und guten Gedanken, die ihr während eures ganzen Lebens gedacht habt, als dunkle oder goldene Sterne aufgereiht.

Der liebe Gott wird nun euer Gewand betrachten, er wird euch für jeden

dunklen Stern auf eurem Gewand einen goldenen Stern abziehen, um damit einen schwarzen Stern aufzulösen. Wenn am Ende noch goldene Sterne übrig bleiben, wird er euch für jeden übriggebliebenen goldenen Stern einen weiteren goldenen dazugeben, so groß ist seine Freude darüber, dass ihr mehr gute als schlechte Gedan­ken erzeugt habt.

Die goldenen Sterne, die übrigbleiben, sind die Schlüssel, mit denen ihr dann im Reich Gottes die Türen aufschlie­ßen könnt. Hinter jeder Tür, die ihr aufschließen könnt, wird es heller und immer schöner".

"Großvater", sagte ich", Was machen aber die, die nur schwarze Sterne übrig haben, die können ja überhaupt keine Türen aufschließen", sagte ich.

"Das stimmt", sagte der Großvater, sie müssen lange war­ten bis sie in hellere Räume kommen, und sie müssen dar­auf hoffen, dass andere ihnen einen goldenen Stern abge­ben.

So meine Kinder", sagte der Großvater" Es ist spät gewor­den und wir wollen schlafen gehen, ich hoffe die Geschich­te hat Euch gefallen".

"Großvater", sagt ich, ist das eigentlich jetzt eine wahre Geschichte gewesen oder ein Märchen"?

"Es ist eine wahre Geschichte, nur - ich musste sie etwas abändern, damit ihr sie verstehen könnt. Denkt immer an diese Geschichte, die ich euch heute erzählt habe, und mit dem Älterwerden werdet ihr den Sinn und Inhalt dieser Geschichte immer besser verstehen und danach handeln".

Mein Bruder und ich denken über diese Geschichte oft nach, sie geht uns nicht mehr aus dem Kopf und wir ver­suchen sogar schon mehr helle als dunkle Wolken zu erzeu­gen.

Hoffentlich gefällt Euch diese Geschichte auch so gut wie uns.

 

 

Adina - W. Horn

 

 

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Wilhelm Horn (Inhaber dieser Seite) ist am 26.10.2013 nach langer und schwerer Krankheit verstorben.